Der Wettbewerb Schreib für Hanau richtet sich an engagierte Schülerinnen und Schüler, die ihre Stimme nicht für sich behalten wollen. Er setzt ein bewusstes Zeichen für Zusammenhalt und gegen Rassismus und erinnert an den Anschlag in Hanau, bei dem neun Menschen aus rassistischen Motiven brutal ermordet wurden. Ins Leben gerufen wurde der Wettbewerb von der Initiative kulturelle Integration, mit dem Ziel, jungen Menschen Raum zu geben, ihre Gedanken, Gefühle und Talente in Worte zu fassen. Schreiben wird hier zu mehr als einem kreativen Ausdruck: Es wird zu Haltung, Erinnerung und Verantwortung.
Ob Kurzgeschichte, Gedicht oder Poetry-Slam, jede Textform war willkommen. Entscheidend war nicht das Format, sondern der Mut, sich mit einem schmerzhaften Kapitel auseinanderzusetzen und ihm mit Sprache zu begegnen. Als Preis durften die ausgewählten Schülerinnen und Schüler vom 9.02.2026 bis zum 11.02.2026 nach Berlin reisen und dort an einer feierlichen Lesung teilnehmen.Neben der Veranstaltung selbst bot sich auch die Möglichkeit, viele offene, inspirierende und teils bekannte Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft kennenzulernen.
Schreiben beginnt für mich oft dort, wo Worte eigentlich fehlen. In Momenten, in denen Erinnerungen schmerzen, Gedanken kreisen und Schweigen lauter ist als jede Stimme.
Meine Motivation zu der Teilnahme am wettbewerb entstand nicht aus einem einzelnen Moment, sondern aus einer Überzeugung, die mich schon lange begleitet : Ungerechtigkeit, Rassismus, Ausgrenzung und jede Form von Diskriminierung leben vom Schweigen. Dort , wo oft nicht widersprochen wird, bleibt Raum für Wiederholung. Schreiben ist für mich deshalb nicht nur eine kreative Aufgabe. Es war und ist eine Möglichkeit, nicht wegzugehen und nicht still zu bleiben. Ich wollte meine Stimme nutzen – nicht, weil ich Antworten habe, sondern weil Schweigen in solchen Momenten keine Option ist. Literatur oder Sprache können erinnern, aufrütteln und Verantwortung übernehmen. Und genau das wollte ich mit meinem Text versuchen.
Es war mehr als nur emotional. Ich hatte die besondere Gelegenheit, die Mutter von Ferhat Unvar kennenzulernen, für dessen Schicksal ich stellvertretend in meinem Text schrieb. Ihre Blicke sprachen mehr als Worte, trotz des unvorstellbaren Schmerzes, den sie erleiden musste, erzählt sie, dass sie weiterkämpfen muss.
Gleichzeitig lernte ich viele andere inspirierende Menschen kennen, darunter den Moderator des Abends, der selbst Autor ist. Bei meiner Generalprobe erzählte er mir, dass ich ein besonderes Gespür für die Atmosphäre habe, das hat sich tief in mein Gedächtnis eingeprägt.
Der Moment, als ich schließlich auf die Bühne trat, blieb unvergesslich: die erwartungsvollen Blicke, die gespannte Stille. In diesem Moment hatte ich Raum für mich, für meine Stimme und für all jene, die sich gegen Diskriminierung einsetzen. Es war ein Augenblick des Gehörwerdens, der mir gezeigt hat, wie viel Kraft Worte entfalten können, wenn man ihnen Platz gibt.
Auch die gemeinsamen Tage mit meinen Lehrerinnen und Freundinnen haben mir sehr viel bedeutet. Ich habe dabei gespürt, wie sehr sich Lehrkräfte für ihre Schülerinnen und Schüler einsetzen und versuchen, das Beste aus ihnen herauszuholen. Besonders Frau Basar hat
es mir ermöglicht, meinen Fähigkeiten eine Stimme zu geben und mich auf diesem Weg mit
großer Unterstützung begleitet. Dafür bin ich sehr dankbar.
Themen wie Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung dürfen nicht in Vergessenheit
geraten, weil sie unsere Gesellschaft bis heute prägen. Sich mit ihnen auseinanderzusetzen
bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, hinzusehen und nicht zu schweigen. Gerade das
Schreiben schafft einen Raum, in dem Erinnerung lebendig bleibt und die Haltung sichtbar
wird.
Besonders wichtig ist dabei die Rolle der jüngsten Generationen. Wir sind Teil dieser Welt,
auch unsere Stimmen zählen. Jede und jeder von uns trägt Erfahrungen, Sorgen und
Belastungen mit sich, doch wir haben zugleich die Möglichkeit, etwas dagegen zu
unternehmen. Veränderung beginnt nicht irgendwann, sondern genau jetzt. Denn
irgendwann ist es jetzt.





